• Martini Cocktail – eine unendliche Geschichte

    Martini Cocktail – eine unendliche Geschichte

    Der einzige Drink, für den es kein wirkliches Standardrezept gibt, ist ironischerweise das international am meisten verbreiteste Mixgetränk, der sog. König aller Cocktails – wie manche behaupten: der MARTINI COCKTAIL.

    In vielen Büchern wird das Rezept – mit 1/4 trockenem Vermouth und 3/4 Gin gerührt – beschrieben, doch getrunken wird es in dieser Form selten. Das Rezept gilt für viele als Richtlinie, doch nicht wenige Gäste, insbesondere Amerikaner, lieben ihren DRY MARTINI im Verhältnis 1:7 oder gar 1:12. Es soll sogar Experten geben, die nur den Schatten einer Vermouthflasche in das Mixgetränk fallen lassen. In einem englischen Barbuch heißt es sogar: „Beim Gin eingießen schaue man die Vermouthflasche an und verbeuge sich in Richtung Frankreich“. Es sind aber nicht nur die Mengenverhältnisse von Vermouth und Gin, nach denen so mancher Bargast seinen Martini gemixt haben möchte. Einige Gäste möchten ihr Getränk mit ein paar Tropfen Angostura zubereitet haben, andere lieben es mit ein wenig Orange Bitter. Es gibt Martini-Freunde, die auf italienischen Vermouth bestehen, andere schwören auf den trockensten französischen Vermouth. Der Cocktail wird in der Regel mit Zitronenöl abgespritzt und mit der traditionellen grünen Olive serviert.

    Nicht jeder aber liebt Zitrone oder Olive. Der GIBSON ist z. B. ein DRY MARTINI, in dem die Olive durch eine Perlzwiebel ersetzt wird. Diese Variation wurde zur Zeit der Prohibition in Amerika geboren. Ein Barmixer namens Charly Connoly sollte auf Anforderung von Schauspieler Charles Dona Gibson einen besonderen Martini mixen und das Getränk im New Yorker Club „The Players“ serviert haben. Der irische Schauspieler Cyril Cusack, dem der Gibson in New York serviert wurde, war so beeindruckt, dass er, zurück in Dublin, den Besitzer der Murphy-Bar um das gleiche Getränk bat. Mr. Murphy mixte einen DRY MARTINI und servierte ihn mit einem Radieschen. Eine neue Martini-Variation war geboren. Noch heute soll der MURPHY in Dublin serviert werden.

    Aber auch über das Mixen des MARTINI’s scheint es bis auf den heutigen Tag Meinungsverschiedenheiten zu geben. Ian Flemings Held James Bond ist schuld daran. Dieser lässt sich seine MARTINI’s im Schüttelbecher mixen. Erfahrene Barmixer behaupten jedoch – und dies mit Recht – dass beim Schütteln winzige Eisstücke von den Eiswürfeln absplittern und so das Getränk trüben. Zudem produziert die beim Schütteln heftig verwirbelte Luft im abgeseihten Getränk kleine Bläschen, die sich nur allmählich auflösen und so den trüben Eindruck des Getränks verstärken.

    Trübe DRY MARTINI’s sind genau so unansehnlich wie abgestandene Drinks.

    Der MARTINI COCKTAIL hatte seit seiner Geburt Schwierigkeiten, seine Identität zu bewahren. Niemand kann heute mit Sicherheit sagen, wie er entstanden ist und wer das Rezept kreiert hat.

    „Das Schönste am Cocktail sind die Geschichten darum“
Manche Cocktail-Historiker glauben, dass ein Barmixer namens Mertinez das Getränk zu Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Waldorff-Astoria Hotel in New York City entwickelt haben soll. Ursprünglich soll der Drink MERTINEZ COCKTAIL geheißen haben und Jerry Thomas veröffentlichte das Rezept in seinem Barbuch von 1862 wie folgt: „Man nehme eine Spritzer Bocker’s Bitter, zwei Spritzer Maraschino, ein Glas Old Tom Gin, ein Weinglas Vermouth und zwei Stücke Eis. Das Ganze wird kräftig durchgeschüttelt und in ein großes Cocktailglas abgeseiht. In das Getränk gibt man ein kleines Stück Zitrone. Wünscht der Gast das Getränk sehr süß, so gebe man zwei Spritzer Zuckersirup hinzu“.

    Harry Johnson publizierte den MARTINEZ COCKTAIL in seinem 1868 erschienen Buch „Improved Bartenders Manual“ in folgender Form: „Man fülle ein großes Barglas mit Eis, 2 oder 3 Spritzer gum (gome) syrop (vorsichtig sein, nicht zuviel verwenden), 2 oder 3 Spritzer bitters (nur echten Boker’s), 1 Spritzer Curaçao oder Absinth, wenn verlangt, 1/2 Weinglas Old Tom Gin, 1/2 Weinglas Vermouth. Das Ganze wird mit einem Löffel verrührt, abgeseiht in ein Cocktailglas, dekoriert mit einer Kirsche oder einer mittelgroßen Olive, je nach Wunsch mit Zitronenschale abspritzen und servieren.“

    Ein italienischer Barmixer namens Martini di Arma di Taggia mixte trockenen Vermouth mit Gin und servierte das Getränk dem Ölmagnaten John D. Rockefeller. Das Jahr soll 1910 gewesen sein und der Ort die Bar im Knickerbocker-Hotel in New York. Rockefeller war natürlich beeindruckt. Er nannte das Getränk nicht nur nach dem Barmann Martini, sonder soll auch 25 Cent Trinkgeld gegeben haben.

    Seit geraumer Zeit war der THE COSMOPOLITAN MARTINI en vogue in den USA. Bestehend aus 2 oz. Citron Vodka, 1 oz. Coitreau, Saft einer halben Limmte, 1/2 oz. Gum syrop, 1 oz. Cranberry Juice.

    Der neueste Trend in den Restaurants von New York, wie dem renomierten LOTUS (409 W, 12th Street), in dem die Prominenz wie Tom Cruise, Leonardo di Caprio, Meg Ryan und Jennifer Lopez verkehren, ist der KARAMEL MARTINI. Eine Köstlichkeit – zu ordern nach dem Essen als Digestif oder alternativ als Dessert.

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